Das Inventar eines Ferienhauses repräsentiert einen erheblichen Wert: Hochwertige Möbel, moderne Elektrogeräte, Geschirr, Bettwäsche, Dekorationen und technische Ausstattung summieren sich schnell auf 30.000-80.000 Euro. Eine spezialisierte Inventarversicherung schützt diese Werte zuverlässig – doch die Standard-Hausratversicherung greift bei Ferienhäusern nicht.
Warum die normale Hausratversicherung nicht ausreicht
Die Standard-Hausratversicherung ist für Hauptwohnsitze konzipiert und leistet bei Ferienhäusern nur eingeschränkt:
• Dauerhafte Nutzung vorausgesetzt: Hausratpolicen setzen voraus, dass die versicherte Wohnung den Lebensmittelpunkt bildet
• Außenversicherung begrenzt: Persönliche Gegenstände sind außerhalb der Hauptwohnung nur temporär versichert (meist 3-6 Monate, maximal 10-20% der Versicherungssumme)
• Vermietung ausgeschlossen: Bei gewerblicher Vermietung erlischt der Versicherungsschutz vollständig
Für Ferienhäuser benötigen Sie eine eigenständige Inventarversicherung, die speziell auf Zweitwohnsitze und Vermietungsobjekte zugeschnitten ist.
Leistungsumfang: Diese Gefahren sind versichert
Eine professionelle Inventarversicherung deckt typischerweise folgende Schadensursachen ab:
Basisgefahren (standardmäßig versichert):
• Feuer: Brand, Blitzschlag, Explosion, Implosion, Anprall von Luftfahrzeugen
• Leitungswasser: Rohrbruch, defekte Waschmaschine, undichte Heizung
• Sturm und Hagel: Ab Windstärke 8 (gemäß VVG-Definition), Hagelschäden an Inventar
• Einbruchdiebstahl: Nach Aufbrechen von Türen/Fenstern oder mit echten Schlüsseln
• Vandalismus nach Einbruch: Mutwillige Zerstörung durch Einbrecher
• Raub: Unter Gewaltanwendung oder Drohung
Erweiterte Gefahren (oft gegen Aufpreis):
• Elementarschäden: Überschwemmung, Starkregen, Erdbeben, Schneedruck, Lawinen
• Glasbruch: Zerbrochene Fenster, Glastüren, Ceranfelder
• Mieterschäden: Vandalismus durch Feriengäste (wichtig bei Vermietung!)
Vermietung: Erhöhtes Risiko erfordert angepassten Schutz
Bei gewerblicher oder privater Vermietung steigt das Schadensrisiko signifikant:
• Höhere Abnutzung: Mehr Nutzer bedeuten schnelleren Verschleiß
• Vandalismus-Risiko: Gäste behandeln fremdes Eigentum weniger sorgfältig
• Diebstahl durch Mieter: Geschirr, Handtücher, Kleingeräte verschwinden häufiger
Spezielle Vermieterschutzversicherungen oder Inventarpolicen mit Vermietungsklausel sind notwendig. Wichtig: Informieren Sie Ihren Versicherer über die Vermietung – verschweigen führt zu Leistungsfreiheit im Schadensfall!
Versicherungssumme richtig ermitteln: So vermeiden Sie Unterversicherung
Die korrekte Ermittlung der Versicherungssumme ist entscheidend. Bei Unterversicherung wird die Entschädigung nach § 75 VVG anteilig gekürzt.
Systematische Inventarisierung:
1 Möbel: Sofas, Betten, Schränke, Tische, Stühle nach Wiederbeschaffungswert
2 Elektrogeräte: Fernseher, Kühlschrank, Waschmaschine, Kaffeemaschine, Router etc.
3 Ausstattung: Geschirr, Besteck, Gläser, Bettwäsche, Handtücher, Gardinen
4 Dekorationen: Bilder, Lampen, Pflanzen, Accessoires
5 Gartenausstattung: Gartenmöbel, Grill, Sonnenschirme (falls mitversichert)
Erstellen Sie eine Excel-Liste mit Fotos aller Gegenstände. Notieren Sie Kaufdatum und -preis. Bewahren Sie Belege digital auf. Aktualisieren Sie die Liste jährlich.
Faustregel: Rechnen Sie mit 800-1.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche für durchschnittliche Ausstattung, 1.500-2.500 Euro/m² für gehobene Ausstattung.
Wertsachen und Entschädigungsgrenzen beachten
Viele Inventarversicherungen begrenzen die Entschädigung für bestimmte Gegenstände:
• Bargeld: Meist maximal 500-1.000 Euro
• Schmuck und Uhren: Oft nur bis 10.000 Euro oder 20% der Versicherungssumme
• Kunstgegenstände: Begrenzt auf 20-30% der Versicherungssumme
• Elektronik: Einzelstücke über 2.000 Euro müssen separat gemeldet werden
Hochwertige Einzelstücke sollten Sie einzeln auflisten und gegebenenfalls gegen Aufpreis zusätzlich versichern.
Dokumentation: Die beste Vorsorge für den Schadensfall
Professionelle Dokumentation erleichtert die Schadensregulierung erheblich:
• Fotodokumentation: Fotografieren Sie jeden Raum aus mehreren Perspektiven. Machen Sie Detailaufnahmen wertvoller Gegenstände
• Kaufbelege digital archivieren: Scannen oder fotografieren Sie alle Rechnungen
• Inventarliste führen: Excel-Tabelle mit Gegenstand, Kaufdatum, Kaufpreis, aktueller Wert
• Cloud-Speicherung: Bewahren Sie die Dokumentation außerhalb des Ferienhauses auf
• Jährliche Aktualisierung: Ergänzen Sie Neuanschaffungen zeitnah
Selbstbeteiligung: Prämie senken, aber bewusst wählen
Die Selbstbeteiligung beeinflusst Ihre Prämie erheblich:
• 150 Euro SB: Standard-Selbstbeteiligung, moderate Prämie
• 250-500 Euro SB: Reduziert Prämie um 10-20%
• 1.000 Euro SB: Spart bis zu 30% Prämie, aber hoher Eigenanteil bei Kleinschäden
Empfehlung: Wählen Sie eine Selbstbeteiligung, die Sie im Schadensfall problemlos tragen können. Bei Vermietung mit höherem Schadensrisiko ist eine niedrigere SB sinnvoller.
Häufige Fragen
Sind Gartenmöbel und Außenausstattung mitversichert?
Gartenmöbel sind nur versichert, wenn sie sich in verschlossenen Räumen (Schuppen, Garage) befinden oder die Police eine explizite Außenversicherung einschließt. Für hochwertige Gartenmöbel (Lounges, Designerstücke) empfiehlt sich eine separate Absicherung.
Was passiert bei steigendem Inventarwert durch Neuanschaffungen?
Gute Inventarversicherungen bieten eine Vorsorgedeckung von 10-20% über der Versicherungssumme. Neuanschaffungen sind damit automatisch mitversichert. Bei größeren Investitionen (z.B. neue Küche) sollten Sie die Versicherungssumme aktiv anpassen.
Zahlt die Versicherung den Neuwert oder den Zeitwert?
Moderne Inventarversicherungen leisten zum Neuwert (Wiederbeschaffungswert). Das bedeutet: Sie erhalten den Betrag, den Sie für einen gleichwertigen Ersatz heute bezahlen müssen – nicht den abgeschriebenen Zeitwert. Achten Sie bei Vertragsabschluss auf Neuwertersatz!
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