Ferienhaus im Ausland versichern: Was ist anders?

Der Traum vom Ferienhaus in Spanien, Italien oder Frankreich ist für viele Deutsche Realität geworden. Doch die Versicherung einer Auslandsimmobilie unterscheidet sich grundlegend von dem, was Sie aus Deutschland kennen. Welche Besonderheiten müssen Sie beachten?

Grundprinzip: Immobilien werden am Standort versichert

Das wichtigste Prinzip: Immobilien werden dort versichert, wo sie stehen. Ihre deutsche Gebäudeversicherung erstreckt sich nicht auf ein Ferienhaus in Mallorca oder der Toskana. Sie benötigen eine lokale Versicherung nach den Gesetzen und Standards des jeweiligen Landes.

Dieses Territorialprinzip gilt EU-weit und basiert auf unterschiedlichen Rechtssystemen, Bauvorschriften und Risikobewertungen. Eine Ausnahme gibt es nicht – auch nicht für EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland.

Versicherungspflichten in europäischen Ländern

Die Versicherungsmärkte in Europa unterscheiden sich erheblich. Die wichtigsten Unterschiede nach Ländern:

Land

Gebäudeversicherung

Besonderheiten

Frankreich

Praktisch obligatorisch (assurance habitation)

Ohne Police keine Finanzierung, oft Kaufvoraussetzung. Prämien: 400-800 Euro/Jahr

Spanien

Nicht verpflichtend, aber von Banken gefordert

Waldbrände und Wasserschäden häufigste Risiken. Prämien: 300-600 Euro/Jahr

Italien

Freiwillig, aber dringend empfohlen

Erdbeben in vielen Regionen nicht versicherbar. Prämien: 350-700 Euro/Jahr

Portugal

Nicht verpflichtend

Waldbrände als Hauptrisiko, hohe Selbstbeteiligungen üblich. Prämien: 250-500 Euro/Jahr

Sprachbarrieren überwinden: Professionelle Hilfe nutzen

Die Sprachbarriere stellt viele Ferienhaus-Besitzer vor erhebliche Herausforderungen. Versicherungsverträge sind komplex und voller juristischer Fachbegriffe. Eine professionelle Übersetzung wichtiger Dokumente ist unverzichtbar.

Empfohlene Vorgehensweise:

Beauftragen Sie einen lokalen Versicherungsmakler mit Deutschkenntnissen

Lassen Sie alle Vertragsunterlagen professionell übersetzen (Kosten: 80-150 Euro pro Dokument)

Dokumentieren Sie alle Kommunikation schriftlich per E-Mail

Hinterlegen Sie Notfallkontakte deutschsprachiger Anwälte vor Ort

Im Schadensfall müssen Sie in der Landessprache kommunizieren – ein Dolmetscher oder zweisprachiger Makler ist dann Gold wert.

Länderspezifische Risiken richtig absichern

Die versicherten Risiken unterscheiden sich je nach Region erheblich. Diese Naturgefahren dominieren in den beliebtesten Ferienhaus-Ländern:

Spanien: Waldbrände (2023: über 12.000 Brände), Dürre, Überschwemmungen an der Küste

Italien: Erdbeben (Zentralitalien, Sizilien), Erdrutsche, Überschwemmungen

Südfrankreich: Überschwemmungen (Côte d’Azur), Waldbrände, Mistral-Stürme

Kroatien: Erdbeben (Zagreb-Region), Küstenstürme, Überschwemmungen

Prüfen Sie genau, welche Naturgefahren Ihre lokale Police abdeckt. Erdbeben sind in Italien in vielen Policen ausgeschlossen oder nur gegen erhebliche Mehrprämien versicherbar (Aufschlag: 40-80%).

Haftpflichtversicherung: Höhere Schadensersatzsummen beachten

Die Haftpflichtversicherung für Auslandsimmobilien ist besonders wichtig. In manchen Ländern sind die Schadensersatzsummen bei Personenschäden deutlich höher als in Deutschland:

Frankreich: Schadensersatz bei Personenschäden durchschnittlich 30-50% höher als in Deutschland

Spanien: Strafrechtliche Konsequenzen bei mangelhafter Verkehrssicherung möglich

Italien: Zivilrechtliche Haftung nach Codice Civile Art. 2051 (Gefährdungshaftung)

Die Deckungssumme sollte mindestens 3 Millionen Euro betragen, besser 5 Millionen Euro für Ferienhäuser mit Vermietung.

Vermietung im Ausland: Lizenzen und Versicherungspflichten

Wenn Sie Ihr Auslands-Ferienhaus vermieten, gelten strenge Vorschriften:

Spanien: Touristenlizenz (licencia turística) zwingend erforderlich, Mindestversicherung 60.000 Euro Haftpflicht, Strafen bei Verstoß: 3.000-90.000 Euro

Frankreich: Anmeldepflicht bei der Gemeinde (numéro d’enregistrement), spezielle Haftpflicht für Vermieter vorgeschrieben

Italien: Regionale Unterschiede, in der Toskana CIR-Code (Codice Identificativo Regionale) erforderlich

Portugal: AL-Lizenz (Alojamento Local) notwendig, Versicherungsnachweis bei Beantragung

Die Nichtbeachtung führt zu empfindlichen Strafen und zum Verlust des Versicherungsschutzes.

Schadensregulierung: Andere Verfahren und Fristen

Die Schadensregulierung im Ausland läuft anders ab als in Deutschland:

Meldefristen: In Frankreich 5 Tage, in Spanien 7 Tage, in Italien 3 Tage bei Diebstahl

Gutachterverfahren: Pflichtgutachten bei Schäden über 5.000 Euro (Spanien) bzw. 3.000 Euro (Frankreich)

Regulierungsdauer: Durchschnittlich 4-8 Wochen länger als in Deutschland

Dokumentationsanforderungen: Höher als in Deutschland, notarielle Beglaubigungen oft erforderlich

Ein lokaler Anwalt oder Versicherungsberater kann im Schadensfall unverzichtbar sein. Kalkulieren Sie 800-2.000 Euro Anwaltskosten für komplexe Schadensfälle ein.

Häufige Fragen zur Auslands-Ferienhaus-Versicherung

Kann ich mein Auslands-Ferienhaus über einen deutschen Versicherer absichern?

Nein. Deutsche Versicherer bieten keine Gebäudeversicherungen für Immobilien im Ausland an. Sie benötigen zwingend eine lokale Police nach den Gesetzen des Standortlandes. Einzige Ausnahme: Deutsche Versicherer mit lokalen Tochtergesellschaften (z.B. Allianz Spanien).

Wie finde ich einen vertrauenswürdigen Versicherungsmakler vor Ort?

Empfehlenswerte Anlaufstellen: Deutsche Auslandshandelskammern (AHK), deutschsprachige Immobilienmakler vor Ort, Expat-Netzwerke und Foren. Prüfen Sie die Zulassung des Maklers bei der nationalen Aufsichtsbehörde (z.B. DGSFP in Spanien, IVASS in Italien).

Greift meine deutsche Hausratversicherung für Gegenstände im Auslands-Ferienhaus?

Begrenzt. Die Außenversicherung deutscher Hausratpolicen deckt persönliche Gegenstände im Ausland für maximal 3 Monate ab, begrenzt auf 10-20% der Versicherungssumme. Für dauerhafte Einrichtung benötigen Sie eine lokale Inventarversicherung.

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Auslandsimmobilie richtig absichern: Ein Ferienhaus im Ausland erfordert mehr Aufwand bei der Versicherung, aber mit der richtigen Vorbereitung ist dies gut zu bewältigen. Lassen Sie sich von lokalen Experten beraten und fordern Sie Vergleichsangebote an.

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