Ferienhaus vermieten: Welche Versicherungen brauchen Vermieter?

Die Vermietung eines Ferienhauses ist eine attraktive Möglichkeit, Einnahmen zu generieren und die laufenden Kosten zu decken. Doch mit der Vermietung gehen erhebliche Risiken einher, die einen umfassenden Versicherungsschutz erfordern. Welche Policen sind für Ferienhaus-Vermieter unverzichtbar?

Vermieterhaftpflicht: Ihr wichtigster Schutz als Ferienhaus-Vermieter

Die Vermieterhaftpflichtversicherung steht an erster Stelle. Sie schützt Sie nach § 823 BGB, wenn ein Gast auf Ihrem Grundstück zu Schaden kommt:

Sturz auf glatter Treppe oder unebenem Weg

Verletzung durch defekten Balkon oder marodes Geländer

Unfälle durch mangelhafte Wartung von Anlagen

Schäden durch herabfallende Dachziegel oder Äste

Die Haftungssummen erreichen bei Personenschäden regelmäßig sechsstellige Beträge. Bei Invalidität oder dauerhaften Gesundheitsschäden werden Schadensersatzforderungen von 500.000 bis 2 Millionen Euro durchgesetzt.

Wichtig: Ihre private Haftpflichtversicherung deckt Vermietungsrisiken nicht ab. Sie benötigen eine spezielle Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung (HuG), die das Vermietungsrisiko explizit einschließt. Die Deckungssumme muss mindestens 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden betragen.

Gebäudeversicherung bei Vermietung anpassen

Die Gebäudeversicherung muss auf die Vermietungssituation angepasst werden. Standardpolicen für Eigenbewohnung decken gewerbliche oder häufige Kurzzeitvermietung nicht ab.

Notwendige Anpassungen:

Meldung der Vermietung an den Versicherer (Obliegenheit nach § 28 VVG)

Erweiterung auf gewerbliche Nutzung bei Dauervermietung

Anpassung der Versicherungssumme bei Ausstattungsverbesserungen

Einschluss von Vandalismus durch Mieter (in Standardpolicen ausgeschlossen)

Prämienaufschlag: typisch 15-30% gegenüber Eigennutzung

Eine fehlende Anpassung führt zum vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes bei vermietungsbedingten Schäden.

Inventarversicherung: Schutz für Einrichtung und Ausstattung

Die Inventarversicherung schützt Möbel, Elektrogeräte und Ausstattung gegen Beschädigung, Zerstörung und Diebstahl durch Mieter. Typische Schadensfälle:

Beschädigte Möbel durch unsachgemäße Nutzung (durchschnittlich 800-1.500 Euro pro Vorfall)

Defekte Elektrogeräte (Kaffeemaschine, Fernseher, Waschmaschine)

Gestohlene Kleingeräte und Dekorationsgegenstände

Zerstörte Bettwäsche, Geschirr, Gläser

Eine normale Hausratversicherung greift bei Ferienhäusern nicht – Sie benötigen eine spezielle Ferienhaus-Inventarversicherung. Die Versicherungssumme richtet sich nach dem Wiederbeschaffungswert der kompletten Einrichtung (bei durchschnittlicher Ausstattung: 15.000-40.000 Euro).

Mietausfallversicherung: Schutz vor Einnahmeausfall

Mietausfallversicherungen greifen, wenn Ihr Ferienhaus durch einen versicherten Schaden unbewohnbar wird. Sie ersetzen die entgangenen Mieteinnahmen während der Reparaturzeit.

Versicherte Szenarien:

Unbewohnbarkeit nach Brand, Sturm oder Wasserschaden

Dauer der Entschädigung: 6-24 Monate je nach Police

Erstattung: 80-100% der nachgewiesenen Mieteinnahmen

Kosten: 120-300 Euro jährlich (abhängig von der Miethöhe)

Bei Ferienhäusern mit hoher Auslastung und Jahreseinnahmen über 20.000 Euro ist diese Versicherung existenziell wichtig.

Rechtsschutzversicherung für Vermieter

Die Rechtsschutzversicherung für Vermieter deckt rechtliche Auseinandersetzungen mit Mietern ab:

Streitigkeiten über Kautionseinbehaltung (häufigster Fall: 35% aller Rechtsstreitigkeiten)

Schadenersatzforderungen gegen Mieter

Vertragsfragen und Kündigungsstreitigkeiten

Mietminderungsansprüche

Die Versicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, die schnell 3.000-8.000 Euro erreichen. Die Jahresprämie liegt bei 150-250 Euro.

Besondere Risiken bei Plattform-Vermietung

Bei der Kurzzeitvermietung über Airbnb oder Booking.com bieten die Plattformen oft Basis-Versicherungsschutz an. Dieser ist jedoch erheblich eingeschränkt:

Leistung

Plattform-Schutz

Eigene Versicherung

Haftpflicht Gastschäden

Bis 1 Mio. Euro (oft mit Ausschlüssen)

3-10 Mio. Euro pauschal

Gebäudeschäden

Begrenzt, hohe Selbstbeteiligung

Vollständig nach Versicherungssumme

Inventarschäden

Bis 15.000 Euro, nur bei grober Fahrlässigkeit

Voller Wiederbeschaffungswert

Der Plattform-Schutz ersetzt keinesfalls eine umfassende Vermieter-Versicherung. Er dient lediglich als Ergänzung.

Häufige Fragen zur Ferienhaus-Vermietung

Reicht meine private Haftpflicht für gelegentliche Vermietung?

Nein. Private Haftpflichtversicherungen schließen Vermietungsrisiken explizit aus. Bereits die einmalige Vermietung erfordert eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht. Ohne entsprechenden Schutz haften Sie unbegrenzt mit Ihrem Privatvermögen nach § 823 BGB.

Wie hoch ist der Prämienaufschlag für Vermietung?

Die Gebäudeversicherung verteuert sich bei Vermietung um 15-30%. Die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht kostet 80-200 Euro jährlich, die Inventarversicherung 150-400 Euro. Gesamtmehrkosten: 400-800 Euro pro Jahr je nach Objektwert und Ausstattung.

Welche Dokumentation ist versicherungsrechtlich erforderlich?

Dokumentieren Sie Ihr Ferienhaus vor und nach jeder Vermietung mit Fotos (mindestens 20-30 Detailaufnahmen). Ein Übergabeprotokoll mit Unterschrift des Mieters ist Pflicht. Diese Dokumentation ist im Schadensfall für Regressansprüche gegen Mieter entscheidend.

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